Wer mit der Kettensäge arbeitet, braucht nicht nur die richtige Schutzausrüstung, sondern oft auch einen Nachweis: den Motorsägenschein, umgangssprachlich Kettensägenschein. Hier erfahrt Ihr, welche Module es gibt, was sie kosten, wann der Schein Pflicht ist und welche Ausrüstung Ihr für den Kurs mitbringen müsst.
Was ist der Motorsägenschein?
Der Motorsägenschein ist ein Befähigungsnachweis für den sicheren Umgang mit der Kettensäge. Grundlage ist die DGUV Information 214-059 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. In einem Kurs lernt Ihr Aufbau und Pflege der Säge, Schnitttechnik, Fälltechnik und das richtige Verhalten im Wald. Den Abschluss bildet eine theoretische und praktische Prüfung.
Die Module A bis D
Seit 2014 sind die früheren Module 1 bis 5 durch vier Module ersetzt:
- Modul A: Grundlagen. Sägenkunde, Wartung, Schnitttechnik und das Fällen von Schwachholz bis 20 cm Brusthöhendurchmesser (BHD). Das ist die Basis für alle.
- Modul B: Baumfällung. Fällen und Aufarbeiten von Bäumen über 20 cm BHD, inklusive schwieriger Situationen.
- Modul C und D: Hubarbeitsbühne. Spezialmodule für Arbeiten aus Arbeitskörben, etwa in der Baumpflege.
Für privates Brennholz reicht in der Regel Modul A, oft kombiniert mit Modul B, wenn Ihr selbst fällen wollt.
Was kostet der Kettensägenschein?
Die Preise hängen vom Anbieter und Modul ab:
| Kurs | Richtpreis |
|---|---|
| Grundmodul A | 100 bis 150 Euro |
| Selbstwerber-Kurs (nur liegendes Holz) | ab ca. 109 Euro |
| Selbstwerber-Kurs mit Fällung | ab ca. 199 Euro |
| Aufbaumodul B | 300 bis 400 Euro |
In den Kosten sind meist Schulungsmaterial und Prüfung enthalten. Die persönliche Schutzausrüstung müsst Ihr in der Regel selbst mitbringen.
Wann ist der Schein Pflicht?
- Beruflich und gewerblich: Eine Qualifikation nach DGUV 214-059 ist vorgeschrieben.
- Selbstwerber im Wald: Die meisten Forstämter und Waldbesitzer geben Brennholz nur frei, wenn Ihr einen Nachweis vorlegt. Ohne Schein bekommt Ihr also oft gar keine Erlaubnis.
- Eigenes Grundstück: Hier ist der Schein rechtlich nicht bundesweit zwingend. Wir empfehlen ihn trotzdem, weil das Unfallrisiko ohne Ausbildung deutlich höher ist und der Versicherungsschutz im Schadensfall davon abhängen kann.
Wenn Ihr einen Baum auf dem eigenen Grundstück fällen wollt, lest vorher unbedingt unseren Ratgeber Baum fällen: Genehmigung, Anleitung und Sicherheit. Dort steht auch, wann Ihr überhaupt eine Genehmigung braucht.
Ablauf: Das erwartet Euch im Kurs
Ein Grundkurs besteht aus einem Theorie- und einem Praxisteil. In der Theorie geht es um Unfallverhütung, Aufbau und Wartung der Säge, Kraftstoffe und Kettenpflege sowie die Beurteilung von Bäumen. Im Praxisteil übt Ihr unter Anleitung das Starten, das Schärfen der Kette, Schnitttechniken am liegenden Stamm und, je nach Modul, das Fällen unter realen Bedingungen. Geprüft wird am Ende beides: Ihr beantwortet Theoriefragen und zeigt am Stamm, dass Ihr sicher arbeitet.
Plant für den Grundkurs ein bis zwei volle Tage ein. Viele Anbieter begrenzen die Gruppengröße, damit jeder genug Zeit an der Säge bekommt. Bringt eine eigene, einsatzbereite Kettensäge mit, wenn der Anbieter das verlangt, sonst kennt Ihr Eure spätere Säge nicht aus dem Kurs.
Häufige Irrtümer rund um den Kettensägenschein
Viele glauben, ein einmal erworbener Schein gelte unbegrenzt. Inhaltlich verfällt er zwar nicht, doch wer lange nicht gesägt hat, sollte sein Wissen auffrischen, weil Routine über Sicherheit entscheidet. Ein zweiter Irrtum betrifft den Geltungsbereich: Der Grundkurs für Selbstwerber berechtigt nicht automatisch zu jeder Arbeit. Für das Fällen starker Bäume, für Arbeiten am Hang oder in der Baumpflege braucht Ihr die passenden Aufbaumodule. Und drittens ersetzt der Schein nicht die Schutzausrüstung: Auch mit Zertifikat dürft Ihr ohne vollständige Schutzkleidung nicht sicher arbeiten.
Welche Ausrüstung Ihr für den Kurs braucht
Zu jedem Motorsägenkurs müsst Ihr Eure persönliche Schutzausrüstung mitbringen. Dazu gehören:
- eine geprüfte Schnittschutzhose der passenden Klasse,
- Schnittschutzschuhe oder -stiefel,
- ein Forstschutzhelm mit Gehörschutz und Visier,
- Schnittschutzhandschuhe.
Welche Schutzklasse Eure Hose haben sollte, erklärt der Ratgeber zu den Schnittschutzklassen und Formen. Wer alles auf einmal anschaffen will, findet im Forstschutz-Ausrüstungsset eine abgestimmte Komplettlösung.
So findet Ihr einen passenden Kurs
Achtet darauf, dass der Anbieter nach DGUV Information 214-059 ausbildet. Kurse bieten unter anderem Waldbauernschulen, Forstämter, die SVLFG, der Deutsche Forstverein sowie viele private Schulungsbetriebe an. Fragt am besten zuerst beim für Euch zuständigen Forstamt nach, welchen Nachweis es für die Brennholzfreigabe verlangt. So vermeidet Ihr, ein Modul zu buchen, das Ihr gar nicht benötigt.